01.04.2018

Alexander Brenner

Stuttgart, Parlerstraße. Gediegene, gutbürgerliche Wohngegend. Halbhöhenlage. Der Killesberg mit seinen traumhaften Aus­blicken ist auch außerhalb Stuttgarts bekannt. Schmucke Stadthäuser aus den 50 er, 60 er Jahren thronen über dem Talkessel. Mittendrin: das Atelier von Alexander Brenner, eine Villa aus dem Jahr 1962. Lange stand sie leer, Brenner hat sie wieder hergerichtet. Hier entwirft er mit einem Team von zwölf Mitarbeitern seine berühmten weißen Villen. „Dreidimensionale Kunstwerke“, wie der Architekturkritiker Gottfried Knapp einmal schrieb.

 

Wir sitzen an einem Besprechungstisch, trinken Kaffee, essen zwischendurch Pasta und Brenner redet. Drei Stunden lang hüpft er von einem Gedanken zum anderen, spricht über Bauherren und Materialien, über Räume, Verantwortung und Haltung. Darüber, was gut und richtig ist. Hier die wichtigsten Auszüge aus dem Gespräch:

 

Alexander Brenner über seine Art zu bauen
Würde Alexander Brenner auch eine Schule bauen? Klare Antwort: „Nein.“ Gremien und Organisationen, die Vorgaben hinsichtlich Zeit und Kosten machen – das würde ihn darin beschränken, so zu bauen, wie er es für richtig hält.
„Wir arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen, sehr frei von Regeln der Technik und von DIN-Normen. Auch Zeitvorgaben gibt es kaum. Das ist auch der Grund, warum wir fast ausschließlich privaten Wohnungsbau machen, denn da gibt es einen Bauherrn. Viele unserer Bauherren sind Unternehmer, die auch wissen, was es bedeutet, etwas zu entwickeln.“

 

Über Villen
Mit „langlebig“ meint Brenner: Seine weißen Villen sollen nicht nur gut aussehen, sondern auch lange halten und generationenübergreifend bewohnbar sein.
„Villen sind das Langlebigste, das ich kenne. Unsere Leitlinie ist es, etwas so zu machen, dass es zeitgemäß ist, dass man es aber auch in 50 Jahren noch gebrauchen, nutzen und anschauen kann.“

 

Über Räume
Wer eine Alexander-Brenner-Villa betritt, staunt erst einmal über die Tiefe der Räume, die häufig noch durch raumhohe Fenster  mit phantastischen Ausblicken verstärkt wird.
„Räumliche Tiefe finde ich sehr wichtig. Im Innenraum ist es uns ein Anliegen, dass wir Stauräume schaffen und technische Einrichtungen in Wandverkleidungen integrieren, so dass der Raum als solcher verbleibt und eine Ruhe entsteht. Ein Wohnhaus sollte wie eine ruhige Leinwand sein, vor der das Leben der Bewohner spielen kann.“

 

Über Haltung
Brenner ist Überzeugungstäter, Perfektionist, ein Mann, der seine Arbeit mit Hingabe und Leidenschaft ausübt. Aus zahlreichen Anfragen wählt er pro Jahr zwei oder drei Objekte aus, bei denen er glaubt, seinen gesamtheitlichen Anspruch realisieren zu können.
„Ich sehe mich nicht als Erfüllungsgehilfe, der lediglich die Wünsche der Bauherren aufzeichnet. Als verantwortungsvoller Architekt habe ich sogar die Pflicht, meine Bauherren darauf hinzuweisen, was zu Widersprüchen führen könnte. Gleichzeitig muss ich ihnen Dinge anbieten, die sie vielleicht glaubten, gar nicht haben zu wollen, oder die sie noch gar nicht kennen. Wir übernehmen für viele Dinge die volle Verantwortung, so dass ein bleibender Wert entstehen kann.“

 

Über Bauherren
Wer es geschafft hat, von Brenner ein Haus gebaut zu bekommen, muss erst mal die Hosen runterlassen. In ausführlichen Gesprächen erkundigt sich Brenner nach Gewohnheiten, Träumen und Vorlieben des Bauherrn.
„In der Tat setzen wir uns im Vorfeld zusammen und sprechen viel miteinander. Ich bin der festen Auffassung, dass man als Architekt niemals etwas ohne einen Bauherrn erschaffen kann. Vielmehr bedarf es einer engen Partnerschaft, die darauf fußt, dass man sich gegenseitig ein maximales Verständnis entgegenbringt. Dazu gehört auch, dass man die Lebensgewohnheiten der Bauherren beachtet und zu verstehen versucht. Vieles nehmen wir auf, um dann eben das maßgeschneiderte Haus für sie zu erstellen.“

 

Über Materialien
Brenner schätzt dauerhafte Materialien. Qualitativ Hochwertiges, Bewährtes. Holz, Glas, Stahl, Steine, Beton in allen Facetten. Er nennt sie „ehrliche Materialien“.
„Wir verarbeiten alles, was echt und für einen bestimmten Zweck geeignet ist. Jedoch haben wir noch nie ein Material verarbeitet, das etwas anderes darstellt, als es tatsächlich ist. Wenn bei uns etwas wie Naturstein aussieht, dann ist es Naturstein. Es werden anständige, nachhaltige Materialien verbaut. Das ist für unsere Bauherrenschaft genauso selbstverständlich wie der energetische Teil, weil sie ein Bewusstsein dafür haben, dass sie verantwortlich und nachhaltig handeln müssen.“

 

Über Licht
Auch die Lichtplanung überlässt Brenner nicht dem Zufall. Sie ist Teil des Gesamtkunstwerks. Gemeinsam mit zwei Familienunternehmen entwirft der Architekt sogar Leuchten.
„Mit Licht schafft man Atmosphäre. Zwei Dinge sind uns dabei ganz wichtig: indirekte Beleuchtung und Lichtpunkte. Indirektes Licht ist angenehm und weich und leuchtet gleichmäßig aus. Mit Lichtpunkten dagegen kann man Akzente setzen, den Raum strukturieren, hierarchisieren und aktivieren.“

 

Über den Vorwurf, nur für Vermögende zu bauen
Schickimicki – damit hat Brenner wirklich gar nichts am Hut. Dennoch muss er sich vorhalten lassen, nur für die Schönen und Reichen zu bauen, für die, die sich seine weißen Villen leisten können. Das freilich sieht er anders.
„Ich habe ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis, eine gute Arbeit abzuliefern, die gestalterisch und konstruktiv dauerhaft und deshalb ressourcenschonend ist. Die Energie und die Liebe, die wir, aber auch die Ausführenden in unsere Projekte hineingeben, soll über eine sehr lange Zeit dienlich sein und erfahrbar bleiben. Wir arbeiten seit 25 Jahren ausschließlich mit Firmen zusammen, die eine gute Arbeit machen möchten und darauf auch stolz sind. Mir ist es wichtig, dass diese Menschen für ihre Arbeit auch entlohnt werden. Nach meinen Erfahrungen ist eben gerade dieses im privaten Wohnhausbau am ehesten gegeben.“

 

Über integrale Planung
Früher verzichtete Brenner eher aus Zeit- oder Budgetgründen auf die Hinzuziehung von Fachplanern oder Fachingenieuren, heute aus Überzeugung.
„Hochbau, Innenarchitektur, Fachplanung bis hin zum Garten, das machen wir alles zusammen, im intensiven Dialog mit den Ausführenden. Selbst unsere Möbel sind individuelle Anfertigungen für das jeweilige Projekt. Diese Art von Planung als Gesamtwerk funktioniert so nur im privaten Wohnungsbau, also bei einer überschaubaren Bauaufgabe.“

 

Über Verantwortung
Das Bauen sei heute „von Angst geprägt“, sagt Alexander Brenner. Er aber will innovativ sein, etwas wagen, auch experimentieren. Und dafür die Verantwortung übernehmen.
„Als Architekt trägt man eine hohe Verantwortung, weil die Sachen ja dastehen und Menschen darin leben. Deshalb ist es wichtig, dass man die Verantwortung auch annimmt. Ich habe noch niemals ein Haus gebaut, für das ich mich später schämen musste.“

 

Über die BAU
Architekten gehen nicht gerne auf Messen, heißt es. „So dachte ich auch“, sagt Alexander Brenner. Bis es ihn vor sechs Jahren doch einmal auf die BAU verschlug und er dort alles fand …
„…was mich interessiert und was sonst mit Mühe recherchierbar wäre, in allen Bereichen. Das ist für mich traumhaft. Ich habe auf der letzten BAU z. B. zwei Fassadenfirmen neu entdeckt, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Die BAU ist für uns inzwischen die wichtigste Informationsquelle. Wir gehen gezielt zu Ausstellern, aber gerade auch am Wegesrand liegen viele Dinge, die wir noch nicht kannten und die uns dann zu Neuem anregen.“

 

Das Gespräch führte BAU-Pressereferent Johannes Manger