01.04.2018

»Man muss für seine Sache brennen!«

Um Deutscher Meister zu werden, also besser als alle anderen zu sein, muss man schon was draufhaben und vor allem viel trainieren. Was treibt Sie an?

Nafz: Natürlich kommt die Motivation für solche Leistungen nicht von ungefähr. Schon in der Ausbildung hatte ich viel Spaß am Lösen und Bauen von komplexen Konstruktionen. Das treibt mich auch bis heute an.

Rapp: Der eigene Anspruch an einen selbst und der Ehrgeiz, die Aufgabe immer perfekt erledigen zu wollen – egal was für eine es ist.

Herr Nafz: Sie arbeiten im elterlichen Betrieb. Was sagt die Familie zur frisch gewonnenen Deutschen Meisterschaft?

Nafz: Die sind richtig stolz auf mich. Die ganze Familie und einige Mitarbeiter sind extra nach Sigmaringen zur Siegerehrung angereist, waren sozusagen live dabei und haben mitgefeiert.

Lief bei den Meisterschaften alles nach Plan oder hatten Sie auch mal Zweifel?

Nafz: Die ersten zwei Tage bei der Deutschen Meisterschaft liefen wirklich wunderbar. Die Zeit stimmte und auch der Aufriss war übersichtlich. Am dritten Tag kam jedoch ein kleines Problem dazu. Ich habe einiges an Zeit und auch wertvolle Punkte verloren. Am Ende war ich jedoch mit meinem Ergebnis zufrieden!

Rapp: Ich glaube, bei einer Deutschen Meisterschaft ist man viel zu aufgeregt und der Druck ist zu hoch, als dass alles nach Plan laufen könnte. Natürlich hatte ich auch Zweifel. Das größte Problem war die Zeit, ob ich überhaupt fertig werde. Dazu kamen dann noch ein paar kleine Fehler, die ich ausbessern musste. Hat aber trotzdem gereicht!

Welche Tipps können Sie jungen Handwerkern mit auf den Weg geben?

Rapp: Sich nicht unterkriegen lassen, auch wenn mal etwas nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. Immer mit Spaß an die Arbeit gehen. Und wenn man auch mal nicht so viel Freude an etwas hat, die Aufgaben trotzdem immer gewissenhaft erledigen.

 

Nafz: Das Wichtigste ist, dass man für seine Sache wirklich brennen muss. Ohne die Motivation, jeden Tag etwas mehr zu tun als die anderen, kommt man in diesen Kreisen nicht weit! Denn die anderen haben auch wirklich etwas drauf! Für mich war es ein großer Vorteil, dass ich allen von meinem Ziel erzählt habe. Dadurch habe ich mir selbst Druck aufgebaut und mein Ziel nicht aus den Augen ver­loren.

Die Nationalmannschaft trainiert regelmäßig auf der BAU in München. Herr Rapp, Sie waren 2017 mit dabei. Wie waren Ihre ­Erfahrungen mit der Arbeit vor einem Messepublikum?

Rapp: Die Arbeit vor einem Messepublikum ist noch einmal etwas anderes als das Arbeiten bei der Deutschen Meisterschaft. Auf der Messe laufen täglich mehrere tausend Menschen vorbei, darunter viele Fachleute. Das lässt den innerlichen Druck ansteigen. Zudem wird man auf der Messe des Öfteren auf Arbeitstechniken, Arbeitsmate­rialien und sonstige baubezogene Inhalte angesprochen.

Innungsbester, Landessieger, Deutscher Meister. Sie beide haben in jungen Jahren schon viel erreicht. Was sind Ihre nächsten Ziele?

Nafz: Als Nächstes steht mit der Zimmerer-Nationalmannschaft die Zimmerer-Europameisterschaft 2018 im Oktober in Luxemburg an. Es geht um die Titelverteidigung. Ich würde natürlich gerne mit dabei sein. Zurzeit sind wir sechs Teammitglieder, es können aber nur drei zur EM fahren. Ich werde Gas geben. Außerhalb der Mannschaft entwickeln wir zuhause gerade unseren Holzbaubetrieb enorm weiter und sind auf einem steilen Wachstumskurs. Meine Devise: Niemand erreicht etwas Großes, wenn er auf etwas Kleines zielt.

Rapp: Wettbewerbstechnisch ist es mein Ziel, mich gut auf die Euro­ Skills 2018 im September in Budapest vorzubereiten und dort erfolgreich dran teilzunehmen, also mit einer Platzierung auf den vorderen Plätzen. Ich freue mich auf ein weiteres Jahr im Nationalteam, da ich unabhängig von der fachlichen Förderung viel für mich und meinen weiteren Werdegang mitnehmen kann. Und es bringt auch einfach Spaß, sich im Team auf die Wettbewerbe vorzubereiten. Beruflich möchte ich in den nächsten zwei Jahren den Maurermeister und den Bautechniker erfolgreich bestehen.

Christoph Rapp
Christoph Rapp beim Training der Nationalmannschaft auf der BAU 2017

 

Lukas Nafz
Lukas Nafz bei der Deutschen Meisterschaft in den Bauberufen im November 2017 in Sigmaringen