Maximilian Graber at work
01.04.2018

Max goes MVRDV

Maximilian Graber an seinem Arbeitsplatz

 

Maximilian Graber, 22-jähriger Architek­turstudent aus Oberbayern, ergatterte einen der begehrten Praktikumsplätze der Baumeister Academy bei MVRDV in Rotterdam. Für das BAU MAG berichtet er von seiner Zeit im berühmten Architekturbüro, wo er von März bis August gearbeitet hat.

 

Eben noch Praktikant bei Renzo Piano in Paris, und schon steht ein neues Abenteuer vor der Tür: sechs Monate Baumeister Academy bei MVRDV. Mit meiner Ankunft in Rotterdam wird mir bewusst: Das ist kein klassi­scher Städtetrip. Hier wirst du länger bleiben. Die Stadt ist mir von Anfang an sympathisch. Sie wagt Experimente, ist scheinbar frei von archi­tek­tonischen Einschränkungen, verbindet Menschen und Kulturen, bietet Nährboden für Innovation und schafft Freiräume für Kunst und Urbanismus. Ich kann es kaum erwarten, in mein Praktikum zu starten.

 

Ein klassischer Tag bei MVRDV beginnt zwischen 9.00 und 9.30 Uhr
Auf Knopfdruck starte ich mit meinem Rechner in den Arbeitstag. So schnell wie möglich öffne ich Rhino, um eine der begehrten Lizenzen abzugreifen. Gar nicht so einfach bei 170 motivierten Kollegen, zwölf davon sind übrigens Praktikanten. Die Zeit bis zur Mittagspause vergeht wie im Flug. Ab 12 Uhr versammeln sich die ersten hungrigen Architekten entlang der Mittagstafel, einer meterlangen Aneinanderreihung von Tischen und Bänken, wo die ganze MVRDV-Familie einmal am Tag zusammenkommt. Man quatscht über Architektur, die neueste Ausstellung, die letzte Party, das schwankende Wetter oder den Meistertitel von Feyenoord Rotterdam. Typisch holländisch stehen Salat, Brot, Käse und leckere Beilagen auf der Speisekarte. Nach der Pause geht es zurück an die Arbeit, bis ich dem einen oder anderen Kollegen nachmittags mit Cookie oder Kaffee in der Küche begegne. Dazwischen skizzieren, modellieren und entwerfen wir. Entscheidungen treffen wir im Team. Wir experimentieren und produzieren. So ist ein hundertseitiges Booklet am Ende der Woche keine Seltenheit. Wie ein Bilderbuch erzählt es die Geschichte unserer Projekte und dient als Diskussionsgrundlage für Meetings. Wir versuchen die Vorstellungen der Büroinhaber Nathalie, Winy und Jacob in den Entwurf einzuarbeiten und weiterzuentwickeln. Bis zum Ende des Tages modifizieren wir das Material und senden ein Update an alle Beteiligten, um mit frischem Input in den nächsten Tag starten zu können. Ist die Arbeit erledigt, mache ich mich auf den Weg nach Hause. Bei dringenden Abgaben oder Wettbewerben kann es auch mal später werden. Aber das bin ich als Architekturstudent ja gewohnt.

 

6 Monate MVRDV
Sehr spannend ist für mich die unglaubliche Vielfalt an Projekten. Die Bandbreite der Planung reicht von ganzen Stadtteilen und Gebäudekomplexen über Bibliotheken und Ausstellungsflächen bis hin zu Shops und Einfamilienhäusern. Für die Mitarbeiter, aber vor allem für die Praktikanten birgt die Verbindung von Städtebau und Architektur im kleineren Maßstab ein unglaubliches Lernpotenzial. Hier geht es um die praktische Anwendung und Ausführung, ebenso um Entwicklungstheorien, Forschung und Zukunftsszenarien über den Zeitraum von einer oder sogar mehreren Generationen. Wir Praktikanten werden dabei flexibel eingesetzt, erhalten die Chance, an unterschiedlichen

Projekten mitzuarbeiten und in neue Materie einzutauchen. So lerne ich nicht nur verschiedene Entwürfe kennen, sondern gleichzeitig auch die Kollegen und ihre Arbeitsmethoden.

Voll im Arbeitsfluss, kann ich mir kaum vorstellen, dass meine Zeit bei MVRDV schon bald wieder vorbei sein soll. Dann geht meine Reise weiter. Die italienische Schweiz ruft, genauer Mendrisio. An der Accademia di architettura werde ich ein Jahr an der Seite von Olgiati, Botta und Co. mein Studium fortführen, mein erlerntes Wissen anwenden und hoffentlich neues erlangen.

MVRDV Mittagstafel »Die Bandbreite der Planung reicht von ganzen Stadtteilen und Gebäudekomplexen über Bibliotheken und Ausstellungsflächen bis hin zu Shops und Einfamilienhäusern.«

 

Bearbeitete Projekte:
1) Wien, Turm mit Taille
2) Mannheim, Franklin Mitte
3) Hannover, Expo-Pavillon
4) Mannheim, Traumhaus
5) Diverse Wettbewerbe


Baumeister Academy
Entwerfen – gewinnen – von den Besten lernen:
Im Rahmen der Baumeister Academy vermittelt das Architekturmagazin „Baumeister” mit den Sponsoren Graphisoft, BAU 2019 und Schöck Bauteile GmbH jedes Jahr herausragende Architekturstudenten für ein sechsmonatiges Praktikum an international renommierte Architekturbüros und unterstützt sie mit 2.500 Euro.

 

Alle Informationen zur Academy finden Sie unter baumeister.de/academy.